So gelingt die agile Transformation

Durch Organisationsberatung die eigenen Stärken nutzen

Unser Beitrag letzte Woche hat aufgezeigt, dass agiles Management eine Methode sein kann, die Effizienz in Projekten deutlich zu steigern. Besonders mit dem Hintergrund der Digitalisierung gewinnt dieser Organisationsgedanke immer mehr an Relevanz und findet in vielen Unternehmen bereits Anwendung. Diese Beispiele verdeutlichen, dass es einer strategischen Herangehensweise bedarf, neue Strukturen im Unternehmen zu etablieren. Ein langfristig ausgelegter Change-Prozess ist dafür unumgänglich. Entscheidend ist es, die eigenen Assets zu kennen und zu verstärken.

 

Sogar ganze Unternehmen lassen sich agil transformieren

Das Beispiel des deutschen Onlineversandhändlers Zalando ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Implementierung agiler Organisationsstrukturen. Die jungen und dynamischen Strukturen wurden genutzt und durch agile Methoden weiter gestärkt. Für den Wandel von einem reinen Online-Shop zu einer digitalen Modeplattform wurde das Organigramm komplett neu gestaltet, um Hierarchien abzubauen und Teams interdisziplinär zusammenzusetzen. Jetzt hat jedes Team zwei Chefs, einen der sich um das Projekt und einen der sich um die Belange der Teammitglieder kümmert.

Darüber hinaus besitzt durch die neuen Strukturen jeder Mitarbeiter mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit. Vor allem aber haben sich die Veränderungen auf die Arbeit ausgewirkt. Die neue Zalando-App wurde in zwei statt in zwölf Monaten entwickelt und umgesetzt. Zudem werden durch die interdisziplinären Teams stetig neue Ideen generiert und wegweisende technische Neuerungen in die Wege geleitet. Seit der Einführung der Radical Agility haben sich die Bewerberzahlen für IT-Jobs verdreifacht, die Zahl der Mitarbeiter, die die Firma verlassen haben, ist hingegen um ein Drittel gesunken.

 

Learnings aus kleineren Unternehmenseinheiten nutzen

Ein weiteres Beispiel ist der Logistikdienstleisters Hermes. Dieses verdeutlicht, dass Unternehmen, die einen Einsatz agiler Organisationsformen für sich evaluieren vor der Herausforderung stehen, dass bereits gewachsene Strukturen nur schwer grundlegende Veränderungsprozesse zulassen – wenn überhaupt, sind diese nur Schrittweise einführbar.  Hier sieht man, dass sich nicht alle Einheiten eines Unternehmens, oder gar komplette Unternehmensstrukturen für eine agile Neuordnung eignen.

Um dem hohen Bedarf an Same-Day-Deliveries gerecht werden zu können, wurde vor einiger Zeit große Anteile des Start-Ups „Liefery“ von Hermes übernommen. Das junge Unternehmen hat sich auf schnelle Lieferungen in Ballungsräumen spezialisiert und übernimmt die Same-Day Lieferungen der Muttergesellschaft. Doch neben der reinen Dienstleistung erhofft sich Hermes noch mehr aus der Zusammenarbeit.

Auch die für Start-Ups typischen, agilen Arbeitsformen machen Liefery für Hermes interessant. Hermes entschied sich dafür, das Start-Up autonom und losgelöst arbeiten zu lassen, um die bereits bestehenden, agilen Strukturen zu erhalten. Perspektivisch erhofft sich Hermes, Learnings aus der Zusammenarbeit ziehen zu können, um in Zukunft geeignete Unternehmensbereiche der Muttergesellschaft agil zu transformieren. Bereiche wie Buchhaltung oder Controlling werden bewusst aus dem Transformationsprozess ausgeschlossen, da diese auf klare Strukturen angewiesen sind. Erste Schritte in Richtung Agilität wurden bereits umgesetzt. So arbeiten die Entwicklungs- und Innovationsabteilungen unter zur Hilfenahme digitaler Technologien agil.

 

Nicht jeder Mitarbeiter bricht in Euphorie aus

Grundsätzlich ist die Implementierung agiler und digitaler Arbeitsformen für alle Unternehmen interessant. Gerade für solche, die durch veränderte Märkte und kürzere Innovationszyklen vermehrt unter Druck geraten, sind grundlegende Veränderungen ratsam. Agile Organisationsstrukturen klingen in diesem Fall wie ein Allheilmittel. Projekte können effizienter und schneller bearbeitet werden, die Kundennähe wird gesteigert und die Mitarbeiter sind aufgrund größerer Selbstständigkeit und flacheren Hierarchien zufriedener.

Doch warum haben sich dann agile Arbeitsweisen und Prozesse nicht schon in den Unternehmen etabliert? Das hängt vor allem damit zusammen, dass es sich bei der Etablierung agiler Organisationsstrukturen um einen sensiblen Change-Prozess handelt. Die Einführung neuer Arbeitsweisen und eine solch eminente Veränderung wird vor allem intern für rege Diskussionen sorgen. Viele Mitarbeiter sehnen sich nicht nach mehr Selbstständigkeit und sind mit einer größeren Verantwortung teilweise überfordert. Zudem wird es zahlreiche Personen geben, die mit dem derzeitigen Status Quo zufrieden sind und die Notwendigkeit einer Veränderung nicht sehen.

Aus diesem Grund ist es nicht ratsam, über Nacht, im ganzen Unternehmen, eine agile Transformation zu vollziehen. Eher sollte in kleinen Schritten gedacht werden, um die Belegschaft und Führungskräfte gemeinsam mitzunehmen. Denn je mehr Personen hinter der Veränderung stehen, desto einfacher ist die Transformation und desto größer ist der Erfolg. Eine strategische Herangehensweise ist in jedem Fall unumgänglich.

 

Der Weg zum Erfolg ist steinig

Aufgrund der Komplexität und durch die geringen Erfahrungswerte auf diesem Gebiet ist es für viele Unternehmen nicht denkbar, agile Strukturen direkt im ganzen Unternehmen einzuführen. Im ersten Schritt ist es daher sinnvoller, Erfahrungen in der Integration und in der Zusammenarbeit zu sammeln. Geschehen kann dies durch die Einführung agiler Strukturen in einzelnen Abteilungen oder Tochterfirmen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass sich nicht alle Abteilungen und Bereiche gleichermaßen für agile Organisationen eignen. Die Methoden sind vor allem bei komplexen Problemen am wirkungsvollsten, was sie vor allem für Bereiche interessant macht, in denen Kreativität und Flexibilität gefragt ist. Das könnten zum Beispiel das Marketing oder die Produktentwicklung sein.

Die besten Erfahrungswerte lassen sich sammeln, wenn wie beim Beispiel Hermes eine digitale, losgelöste Tochterfirma auf agile Arbeitsweisen umgestellt wird. Dort können die Methoden unter Realbedingungen getestet und die Erfahrungswerte skaliert werden. Wichtig ist, dass diese Abteilung weiterhin autark und systemunabhängig agieren kann, um das komplette Potenzial auszuschöpfen. Werden dort Erfolge erzielt, können Kritiker für die Thematik sensibilisiert und einzelne Abteilungen agiler gestaltet werden.

Welcher Weg gewählt wird, hängt vom Unternehmen selber ab. Bei sowieso schon jungen und dynamischen Unternehmen kann, wie am Beispiel Zalando zu sehen ist, eine direkte Integration erfolgreich sein. Muss es aber nicht. Zippos, das US-Amerikanische Vorbild von Zalando ist an der Integration agiler Managamentmethoden gescheitert und mittlerweile wieder auf klassische Managementformen umgestiegen. Für etablierte Unternehmen mit starren Strukturen lohnt sich eher die Möglichkeit, erst einzelne Bereiche oder Tochterfirmen umzustellen und daraus zu lernen. Eine Garantie für einen Erfolg gibt es jedoch nicht. Doch kann durch eine strategische und sensible Herangehensweise die Wahrscheinlichkeit erhöht werden.

Wenn auch Sie den Weg zur agilen Transformation gehen wollen rufen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne und entwickeln mit all unserer Erfahrung die beste Strategie für Ihren Erfolg.

Wir freuen uns über Ihren Anruf 0221177 340 20 oder Ihre Mail.

 

Autor: (iConsultants GmbH)

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