The Struggle Is Real

Wie Buchhändler trotz anrollendender Digitalisierung standhaft bleiben

Die Herausforderung hat sich schon in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts herauskristallisiert. Amazon kam und überrollte den Buchhandel. Wie reagierten viele? Gar nicht. Genau das wurde ihnen dann zum Verhängnis. Viele kleine Händler mussten sich eingestehen, dass sie keine Chancen mehr auf dem Markt hatten.

Wenige konnten sich jedoch weiterhin behaupten. Gegen Bücherriesen in der offline Welt wie Thalia und Mayersche und gegen die der digitalen Welt, vor Allem ist hier natürlich der Platzhirsch Amazon zu nennen. Aber auch andere Online-Shops machten es dem kleinen Buchhändler nicht einfach!

Auswege aus dieser „Misere“ gibt es. Durch Strategie und das Anerkennen der Chancen der Digitalisierung ist es auch heute noch gut zu schaffen, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

 

Herausforderungen müssen erkannt werden…

Besonders kleine inhabergeführte Buchhandlungen sind unter Druck geraten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Ein großer Faktor, der jedoch gerne übersehen wird, ist die Buchpreisbindung. Denn diese regelt nur die Verkaufspreise, jedoch nicht die Einkaufspreise. Somit haben kleine Buchhandlungen einen enormen Nachteil gegenüber den Bücherriesen. Sie können durch Massenkäufe auf Grund der zu kleinen Lagermöglichkeiten keine Rabatte oder Vergünstigungen aushandeln. Laut dem Marktforscher Andreas Kreutzer bekommen Onlinehändler und große Filialketten beim Einkauf von Bestsellern durchschnittlich Rabatte von 50%. Der Buchverkauf wird somit deutlich profitabler als bei kleinen Händlern.

Eine weitere Herausforderung ist die sofortige Verfügbarkeit der Produkte. Große Ketten und Online-Shops haben ALLES vorrätig. Falls ein Titel online gerade nicht verfügbar sein sollte, ist dies selten ein Motiv zum Kaufabbruch. Denn das begehrte Buch kann oftmals schnell nachgeordert werden und wird dann direkt nach Hause geliefert. Offline müsste der Kunde nicht erneut in einen Shop gehen um sein vorbestelltes Buch abzuholen. Die Transaktionskosten sind höher.

Die wohl größte Bedrohung für den stationären, inhabergeführten Buchhandel ist jedoch, dass ein Buch den klassischen Buchhandel nicht mehr zwangsläufig braucht. Physische Medien sind nicht mehr notwendig, um die erwünschten Texte zu Lesen, das geht alles digital. Noch verheerender: Der Buchhandel erlebt nun das gleiche Problem wie zuvor schon die Musikbranche. Es gibt keinen Kopierschutz. Bücher können ohne weiteres im Netz verbreitet werden. Der Leser hat freien Zugriff auf eine Unzahl an Texten, ohne dafür zahlen zu müssen.

 

Sterben wird das Buch aber nicht

Zum einen erscheinen auch heute noch an jedem Werktag fast 300 neue Buchtitel auf dem Markt, die Lesefreude und auch die Schreibfreude ist dementsprechend noch nicht versiegt, und zum anderen werden auch noch zur Genüge physische Produkte erworben. Problematisch wird es nur für Taschenbücher. Besondere Bücher, sei es durch ihr Layout, eine gewisse Sympathie oder einfach, weil man diese Geschichte besonders mag, werden noch immer mit Hardcover gekauft. Die Heimbibliothek wird so schnell also nicht aussterben.

Ein Buch zu lesen wird somit zum Erlebnis. Es ist etwas Besonderes, sich die Zeit zu nehmen, sich hinzusetzen und ein Buch zu lesen. Genau hier muss der stationäre Handel ansetzen. Es dürfen nicht nur Bücher verkauft werden, sondern ein Gefühl! Die digitale Shoppinglust der Käufer darf dabei nicht vernachlässigt werden!

 

Ein Gefühl verkaufen: Online und Offline

Ein Offline-Store hat mehrere Möglichkeiten gegen Bücherriesen anzukämpfen. Ein Buchhandel muss zum Verweilen einladen, zum Stöbern und ein Platz für Kommunikation sein. Der Kunde muss sich wohlfühlen und den Mehrwert, den er in einem kleinen Buchhandel erfahren kann, auch spüren.

Sei es durch eine besonders schöne Atmosphäre, Lesungen, Diskussionsrunden oder natürlich auch durch kompetente Beratung. Es kann vieles Angeboten werden, was ein Leser online nicht erhält.

Zudem müssen sich besonders kleine Händler spezialisieren und ihr Alleinstellungsmerkmal ausarbeiten. Auch hier kann man auf sein besonderes Sortiment setzen oder eben auf Veranstaltungen, die es so im Umkreis nicht gibt, oder wenn doch, dann halt besser.

Auch die Zielgruppe darf hier natürlich nicht vergessen werden. Tatsache ist: Nicht nur die ältere Bevölkerung liest. Nein, grade junge Menschen, die den ganzen Tag nur mit Technik konfrontiert werden, schalten gerne wieder bei einem Buch ab. Und wo findet man diese? Genau, Online.

Im Umkehrschluss heißt das also: Buchhändler müssen digital werden. Sei es zu Anfang auch nur mit einer Website/Landingpage mit Vorbestelloption, Veranstaltungskalender oder ähnlichem. Für den ersten Schritt kann das schon ausreichen. Präsenz zeigen lautet hier die Devise! Der Aufbau eines eigenen Online-Shops bedarf grundlegender Umstrukturierungen in Prozessen und Schnittstellen. Solch ein Vorhaben muss strategisch geplant werden und der Aufwand hierfür darf nicht unterschätzt werden. Hierbei fehlt oftmals das benötigte Know-How, um die digitale Neuausrichtung zu schaffen.

 

Der Buchhandel hat weiterhin seine Berechtigung!

Einkaufserlebnis und Spezialisierung sind probate Wege, um sich den „Riesen“ entgegen zu stellen. Voraussetzung für ein Fortbestehen ist, dass man sich als Buchhändler an die heutigen Ansprüche der Leser anpasst und die digitale Zukunft als Chance versteht. Es muss genauso in den Onlineauftritt wie auch in den eigentlichen stationären Handel investiert werden. Die vorhandene Kompetenz muss kanalübergreifend kommuniziert werden und wenn digitales Know-How noch nicht vorhanden ist, muss dieses erworben werden. Besonders hier darf nicht gespart werden.

Wenn folgende Punkte beachtet werden:

  1. Zielgruppe und Bedürfnisse erfassen
  2. USP ableiten und definieren
  3. Spezialisierung/Neuausrichtung des Sortiments
  4. Omnichannel Strategie ausarbeiten
  5. Vernetzte Kompetenz kommunizieren

steht einem offline wie auch online Erfolg nichts mehr im Wege.

 

Autor: (iConsultants GmbH)

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